Internationale Konferenz von Gemeinschaftsforschern und -mitgliedern / 25. bis 27. Juni 2001, ZEGG (nahe Berlin)
Das Thema "in Gemeinschaft leben" wird nach wie vor kontrovers diskutiert: Für die einen ist es die (Über-)Lebensform der Zukunft, für die anderen ist es der unpolitische Rückzug ins Private.
Eine außergewöhnliche Gelegenheit sich zu informieren, wo auf der Welt Menschen wie und warum gemeinschaftlich zusammen leben, ist die Konferenz "Gemeinschaftliche Lebensformen an der Schwelle eines neuen Jahrtausends" der International Communal Studies Association (ICSA). Bisher fanden die Konferenzen in Universitäten statt, vom 25. bis 27. Juni 2001 ist das Treffen erst- mals in einer Gemeinschaft, dem ZEGG (Zentrum für Experimentelle GesellschaftsGestaltung) zwischen Berlin und Leipzig.
Informationen sind im Internet (www.antenna.nl/icsa) erhältlich oder telefonisch unter 033841/59510.
Konferenzsprache ist Englisch. Eingeladen sind sowohl Wissenschaftler aus aller Welt - vor allem Soziologen, Psychologen und Historiker, Architekten und Städteplaner - als auch Menschen, die in Gemeinschaften leben oder sich dafür interessieren. Das Zusammenkommen dieser beiden Gruppen ist eine der Stärken der ICSA und verspricht fruchtbare und lebhafte Gespräche.
Bedeutung der ICSA-Konferenz für Deutschland
Dass die internationale Konferenz der ICSA erstmals in Deutschland stattfindet, ist für die deutsche Wissenschaft und die gesellschaftspolitisch interessierte Öffentlichkeit in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung.
Die Konferenz führt erstmals engagierte Mitglieder und wissenschaftliche Beobachter der israelischen Kibbutzbewegung nach Deutschland. Die Kibbutzim stellen als Mitbegründer der ICSA immer noch einen wesentlichen Zweig der Vereinigung dar. Dass sie Deutschland als Gastgeberland akzeptieren, hat historische und gesellschaftspolitische Relevanz. Darüber hinaus steht die Kibbutzbewegung für eine seit 90 Jahren erfolgreiche Realisierung genossenschaftlicher Wirtschaftsformen. Deutschland sieht sich nach der Umwandlung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der ehemaligen DDR vor der Frage der Integration der noch bestehenden rund 1200 Agrargenossenschaften. Hier kann die Konferenz Impulse liefern und eine internationale Zusammenarbeit begründen.
Kooperative genossenschaftliche Lösungen, teilweise auch anstelle staatlicher Lösungen, sind allerdings weit über den landwirtschaftlichen Bereich hinaus wichtig. In viel größerem Umfang kann die genossenschaftliche Grundidee von Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung einen Beitrag leisten zur Bewältigung von Problemen, die über die wirtschaftlichen Kräfte des Einzelnen hinausgehen. Gemeinschaftliche Lebens- und Wirt- schaftsformen können in einer Zeit, in der die wachsende Individualisierung zunehmende soziale und wirtschaftliche Probleme aufwirft, Impulse geben für neue Lösungskonzepte.
Die ICSA will die Erfahrungen der historischen und der zeitgenössischen Gemeinschafts- projekte in die sozialwissenschaftliche Forschung und die öffentliche Sozialplanung ein- bringen. Gerade in einer Zeit hoher Individualisierung und zunehmender Isolation können die Werte und Erfahrungen aus gemeinschaftlichen Lebenszusammenhängen zur Verbesserung urbaner Nachbarschaften beitragen. In diesem Sinne arbeiten die in der ICSA zusammengeschlossenen Wissenschaftler theoretisch und anwendungsbezogen.
Mitglieder der ICSA werden als wissenschaftliche Experten häufig hinzugezogen, wenn es um neue religiöse Bewegungen oder so genannte Psychogruppen geht. Die gesellschaftliche Relevanz dieses Themas für Deutschland hat die Enquete-Kommission der Bundesregierung in ihrem Abschlussbericht zu diesem Thema aufgezeigt. Die Konferenz soll die in diesem Problemfeld bisher stark auf die nationale Ebene bezogene Betrachtungsweise durch internationale Erfahrungen ergänzen.
Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten in Osteuropa werden dort heute gemeinschaftliche Lebens- und Arbeitsformen wieder wichtiger. Dass die ICSA-Konferenz in der Nähe von Berlin stattfindet, macht es osteuropäischen Wissenschaftlern leicht teil- zunehmen und damit den Anschluss zu finden an eine internationale Kooperation, zu der sie vor dem Hintergrund ihrer besonderen Erfahrungen einen wichtigen Beitrag leisten können.
25. bis 27. Juni 2001
ZEGG, Belzig (Brandenburg)
ISCA-Office:
Christa Falkenstein, Christiane Mrozek, Robert Heeß, Rüdiger Stanke
c/o ZEGG Forschungs-und Bildungs-GmbH
Rosa-Luxemburg-Strasse 89
D-14806 Belzig
E-Mail: icsa@zegg.de
Tel.: ++49-(0)33841-59510
Fax: ++49-(0)33841-59512
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